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Tongrube Seedorf

1. Bestand

Die Tongrube Seedorf stellt aus der Sicht des Artenschutzes einen hochinteressanten, äußerst wertvollen Sonderstandort dar.
Besonders wichtig ist der nördlich der Wasserfläche anschließende Biotopkomplex mit verschiedenen Sukzessionsstadien, Sickerfluren und offenen Rohböden auf feuchten und trockenen Standorten.

Im östlichen Teil der Tongrube sind bereits ältere Sukzessionsstadien mit 2-4 Meter hohen Kiefern und Birken vorzufinden (s. Bestandskarte). Im Unterholz steht reichlich Besenheide. Westlich davon schließt ein ca. 80 Meter breiter Gürtel mit initialer Gehölzsukzession an (Sandbirke, Waldkiefer, Salweide, z.T. auch angepflanzte? Eichen und Hainbuchen).

Im westlichen Teil des Areals des Forstbetriebs Waldsassen, das auf der Westseite von einem fünf Meter hohen Birkenstreifen begrenzt wird, befinden sich offene Rohböden, teils feuchte und übersickerte, teils trockene Tonböden in den Anstiegsbereichen des Abbautrichters. Faziell ist bereits Pioniervegetation entwickelt mit Binsen-, Seggen- und Schachtelhalm-Aspekten. Besonders bemerkenswert ist das Massenvorkommen des Rundblättrigen Sonnentaus auf den durchfeuchteten Tonstandorten.

Besondere Arten der Tongrube
(Nachweise von Martina Gorny, Jürgen Fischer, Werner Gebhardt, Karl Paulus)

  • Flussregenpfeifer, RL Bay 3
  • Flussuferläufer, RL Bay 1
  • Bruchwasserläufer
  • Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens), RL Bay 2
  • Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombi)
  • Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipodia caerulescens) , RL Bay 2
  • Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans, RL Bay 1
  • Rundblättriger Sonnetau (Drosera rotundifolia) RL Bay 3, Massenbestand
  • Sumpfbärlapp (Lycopodiella inundata), RL Bay 3

2. Zusammenfassende Bewertung

Es handelt sich um einen ökologisch äußerst wertvollen Sonderstandort. Der Tongrube kommt eine wichtige Refugialfunktion für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu.

3. Entwicklung

Bei einem Fortschreiben der Gehölzsukzession bzw. Wiederaufforstung der Tongrube geht der Lebensraum für die genannten vom Aussterben bedrohten Arten verloren.

Aus Sicht des Artenschutzes sollte der Komplexlebensraum weitestgehend offen gehalten werden.

Die wichtigste Pflegemaßnahme ist das Abschieben von Teilbereichen im mehrjährigen Turnus sowie die Schaffung eines Kleinmosaiks von spezifischen Habitatstrukturen für besonders seltene Arten (Anlage periodischer Tümpel, überrieselte Tonböden, Steilkanten, kleineren Geländekuppen u.a.).
In den bereits älteren Kiefern-Sukzessionsstadien sind inselförmige Auflichtungen wünschenswert.

Diese Biotopgestaltungsmaßnahmen sollten in enger Abstimmung mit dem
Bund Naturschutz und der unteren Naturschutzbehörde
erfolgen.
Weitere artenschutzspezifische Kartierungen sind wünschenswert.