Naturschützer schlagen Alarm

Mit Beginn des Winterhalbjahrs startet wieder die Saison der Motorsägen. Jedes Jahr verschwinden Bäume, Hecken und Gebüsche in den Siedlungen und in den Fluren. Unsere gewachsene Kulturlandschaft verarmt immer mehr, das Artensterben ist eine Folge davon. Nun schlagen BUND Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz der Landkreise Wunsiedel und Tirschenreuth Alarm.

Sie sehen unsere heimische Kulturlandschaft immer stärker bedroht. Bäume werden zu wenig geschützt und gepflegt. Statt sie nur zu fällen, wenn von ihnen eine konkrete Gefahr ausgeht, werden sie - auch wenn sie nur als Hindernisse gelten können - beseitigt. Immer wieder werden Kleinstrukturen wie Hecken, Raine und Gebüsche in der landwirtschaftlichen Flur beseitigt. Die Traktoren und landwirtschaftlichen Geräte werden immer größer, da sind ökologisch wertvolle Kleinstrukturen nur noch Produktionshindernisse. Windschutz, Verbesserung des Kleinklimas, Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger bleiben dabei auf der Strecke.

Auch die Straßenbauämter nehmen bisher wenig Rücksicht auf Bäume und Sträucher. In den wenigen Alleen wurden Lücken geschlagen, bis allenfalls noch Reste der Baumreihen übrigblieben. So verschwand etwa die alte Eschenallee von Tirschenreuth in Richtung Mähring. Selten werden Bäume nachgepflanzt, stattdessen werden die restlichen Bäume nach und nach entfernt. Die Sträucher entlang der Straßen werden häufiger und stärker geschnitten als nötig wäre. Gearbeitet wird in großen Einheiten, sodass plötzlich wieder mehrere hundert Meter Hecke fehlen.

Die Situation wird immer schlimmer: Es gibt Orte, in denen die Verwaltung offenbar leichten Herzens die Fällung großer alter Bäume absegnet. Inzwischen geschieht das nicht mehr nur in den Ortschaften sondern auch auf Grundstücken in freier Flur. Diese landschaftsprägenden Bäume sind das Eigentum der Bürger, sie dürfen nicht dem Gewinnstreben oder der Bequemlichkeit geopfert werden. Entlang der Gemeindestraßen werden nicht selten gesunde Bäume als verkehrsgefährdend eingestuft und schnell mit "Stumpf und Stiel" entfernt. Eine Wiederanpflanzung findet meist nur auf dem Papier statt.

Selbst einzelne Kirchengemeinden verhalten sich so, als wäre die Natur auf ihren Grundstücken wertlos. Auf ihren Friedhöfen und an ihren Kirchen verschwinden allmählich die großen alten Bäume. Es wird übersehen, dass diese Bereiche kulturgeschichtliche Bedeutung haben. Heute genügen offenbar Laubfall und Schattenwurf, und die Bäume müssen weg. Die Kirchen und der BUND Naturschutz arbeiteten viele Jahre eng zusammen unter dem Motto "Schöpfung bewahren". Wir erwarten eine Rückbesinnung auf diese Werte und fordern besonders die katholischen Gemeinden auf, sich an der Umweltenzyklika des Papstes zu orientieren.

Die Straßenämter fordern wir auf, die noch vorhandenen Bäume zu schützen und zu pflegen. Wir begrüßen die Einstellung von 2 Baumkontrolleuren in der Straßenmeisterei Tirschenreuth und das Nachpflanzen von Bäumen an der TIR 36 (Reuther Allee). Auch in weiteren ehemaligen Alleen müssen die Lücken durch Neuanpflanzungen geschlossen werden. Die nötige Heckenpflege muss kleinräumiger und schonender erfolgen. Sensible Bereiche verdienen dabei besonderen Schutz. Die Naturschutzverbände bieten dazu ihr Wissen und ihre Zusammenarbeit an.

Wir erwarten von den Städten und Gemeinden das Naturerbe ihrer Bürger zu bewahren, statt es leichtfertig zu beschädigen. Wir fordern außerdem die Wiederherstellung der Alleen an Gemeindestraßen und den besonderen Schutz aller großen Bäume in den Orten und außerhalb. Um unsere Landkreise als Naturraum und Heimat zu erhalten müssen wir alle zusammenarbeiten und der Zerstörung Einhalt gebieten. Sonst verwandelt sich unsere Umgebung ein eine gesichtslose, eintönige "Landschaftsruine". Das ist auch ein Verlust an Heimat.

Über 100 Teilnehmer an der jährlichen DEMO am Teichelberg

 

Die beiden Wildkatzen-Familien hielten sich versteckt, ebenso die Eulen, Käuze und Fledermäuse. Die Wanderung über den Teichelberg am Kirchweihsonntag war trotzdem abenteuerlich und lehrreich. Der BUND Naturschutz hatte dazu eingeladen. Über hundert Wanderer waren der Einladung in den Urwald gefolgt.

Mit von der Partie waren die Mitglieder der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) und die Hausherren von den Bayrischen Staatsforsten, Gerhard Schneider und Markus Liegl. Sie übernahmen auch einen großen Teil der Erklärungen.

Eine „Perle der Naturwälder“ nannte der BN Kreisvorsitzende Josef Siller den Teichelberg. Seit Jahrhunderten ist dieses abgelegene und steile Gebiet kaum genutzt worden, 1978 wurde darin das Naturwald-Reservat „Gitschger“ ausgewiesen, seit 1996 ist es Naturschutzgebiet und seit 2006 FFH Gebiet.  Der „Gitschger“ ist 68 Hektar groß, insgesamt umfasst das Schutzgebiet 115 Hektar. In ganz Nordostbayern gibt es keinen vergleichbaren Wald.

Trotzdem ist der Teichelberg noch immer in großer Gefahr. Die Basalt AG will den Steinbruch erweitern und die ganze Kuppe des Berges abbaggern. Der Antrag auf Abbau von weiteren 37 Hektar liegt seit 2011 beim Bergamt Nordbayern. Laut Siller gehört die Basalt AG zum Werhahn Konzern. Dieser ist betreibt allein in Deutschland über 100 Steinbrüche.

Gerhard Schneider, der Chef der Bayrischen Staatsforsten im Landkreis, erläuterte den momentanen Stand der Dinge. Über den Antrag ist noch nicht entschieden, er wird zurzeit überarbeitet. Nach dem gültigen Bergrecht hat die Rohstoffsicherung Vorrang vor Naturschutz, dieses Recht stammt noch aus den Zeiten von Bismarck. Schneider betonte auch, dass den Bayrischen Staatsforsten der Naturschutz sehr wichtig sei.

Die Tour durch den ältesten Wald im Landkreis beeindruckte die Wanderer sehr. Hier stehen uralte Buchen, Linden und Ahorn mit mehr als drei Metern Stammumfang, und die höchste Fichte Bayerns mit über 50 Metern Länge. Umgestürzte und vermodernde Baumriesen mussten umgangen oder überklettert werden.

 Revierförster Liegl erklärte warum dieses Totholz so wichtig ist. Darin leben Hunderte von Tierarten, viele davon sind inzwischen sehr selten geworden. Über 500 Käferarten gibt es hier und 230 Arten von Großpilzen, außerdem mehr als 400 verschiedene Nachtschmetterlinge, 12 Fledermausarten und viele Waldvögel. Manche dieser Arten sind ganz Deutschland bereits ausgestorben, denn ungenutzte alte Laubwälder sind in Deutschland extrem selten. Deshalb ist der Teichelberg von nationaler Bedeutung.

Laut Liegl ist der Teichelberg das Quellgebiet vieler Arten, sie haben hier ihr Zentrum und können sich in die Umgebung ausbreiten. Für manche Vogelarten wie den Zwergschnepper ist das Reservat bereits jetzt zu klein. Werden noch weitere Hektar weggebaggert, dann werden viele Tiere ganz verschwinden – aus dem Landkreis und aus ganz Deutschland.

Der BUND Naturschutz wird um den Teichelberg kämpfen und wenn nötig durch alle Instanzen klagen. Siller nannte es eine Schande, dass der Bayrische Staat nicht in der Lage ist sein Eigentum zu schützen. „Nicht alles darf man auf dem Altar der Wirtschaft opfern!“

 

 

 

Aktuelles

26.11.2017 - Zu rücksichtslosen Abholzaktionen kam es in den letzten Wochen. Der BN und der LBV der Landkreise Tirschenreuth und Wunsiedel schlagen daher Alarm. Der Kahlschlag muss gestoppt werden bevor unsere... weiter

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